17 Februar 2008

Statisten-Casting (4) und hoch zu Ross

Auch wenn es diese Woche etwas drunter und drüber ging, sind wenigstens ein paar Miniaturen fertig geworden. Ich habe mir nun einen Satz Figuren der Firma Graven Images vorgenommen, auf die ich vor einiger Zeit mehr zufällig gestoßen bin. Genauer gesagt handelt es sich um Miniaturen der hier verlinkten "Border Reivers"-Reihe. Eigentlich sind die Modelle dieses Themas zu spät (sie bilden das frühe 17. Jahrhundert ab); bei einigen Zivilisten kann man aber ein Auge zudrücken.
Die Figuren sind recht hübsch modelliert, dabei nicht übermäßig detailliert. Problematisch ist nur ihre Größe: Manch ältere Foundry-Figuren überragen sie um mehr als einen Kopf, dazu sind sie deutlich bulliger. Gerade bei den weiblichen Figuren wirkt das schon etwas komisch. Ich hoffe einfach, dass ich sie später auf der Platte so verteilen kann, dass diese Unterschiede nicht weiter ins Gewicht fallen.

Im Folgenden also die ersten beiden von fünf Modellen, die ich zu bemalen gedenke.

Man wird bemerken, dass ich eine echte Vorliebe für Geistliche entwickle. Denn wie es scheint sind diese Miniaturen meist echte Charakterköpfe. Der hier abgebildete Herr firmiert im Katalog als "The Bishop"; das ursprüngliche Schwert in seiner Rechten fand ich dann aber doch zu martialisch und habe es kurzerhand durch ein Kruzifix ersetzt - non arma, sed verbo! Als eventueller Vorbote der Reformation (man beachte den "Laienkelch") trägt er protestantisches Schwarz.
Etwas emotional bewegter zeigt sich die Dame links: Offenbar hat sie nicht erwartet, dass die Ritter es beim Turnier ordentlich krachen lassen... Mit ihrem Kleid bin ich unzufrieden. Die Figur ist für eine spätere Bearbeitung vorgemerkt - für jetzt ging es mir erstmal um die Fertigstellung. Am Gesicht erkennt man die z.T. schlichte Modellierung. Hier Konturen hineinzubringen, war schwieriger als gedacht und ist vielleicht auch nicht ganz gelungen.

Der Zuschauer-Counter zeigt damit:

17 Miniaturen abgearbeitet
14 Miniaturen to go


Naja...

Damit nun aber die Enttäuschung nicht zu groß ist, habe ich quasi zwischendurch noch die Bemalung eines weiteren Ritters abgeschlossen - hoffentlich zur Freude einiger Besucher:


Das Modell bildet eigentlich einen französischen Gens d'Armes ab, zu erkennen an der Mode des über der Rüstung getragenen Leibrock. Bei der Bemalung des Rossharnischs habe ich wiederum an der Darstellung von gemustertem Stoff als Bezugsmaterial versucht. Idee und Vorlage stammen aus Ausgabe 10 des Magazins Wargames: Soldiers & Strategy, das sich schwerpunktmäßig mit der Schlacht von Pavia beschäftigt (eine Besprechung lasse ich vielleicht folgen).
Warum seine Lanze abgebrochen ist und er als einer der wenigen Ritter einen Schild trägt, sei an dieser Stelle noch nicht verraten... ;)

8 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Na wenn das nicht mal ein Hingucker ist! Der Ritter ist ein Prachtstück. Komplementärkontraste stehen in meiner Gunst zwar nicht hoch im Kurs, ich bin mir aber sehr sicher, dass Du fundierte farbgeschichtliche Rechercheergebnisse vorlegen könntest. Die Umsetzung ist auch super. Der Priester ist wirklich klasse. Könnte glatt ein Steckenpferd von Dir werden, was?

Anonym hat gesagt…

Frank hier.

Ich bin begeistert. Vior allem vom Priester.
Ob allerdings das Kreuz in seiner Hand weniger martialisch wirkt, weiß ich nicht...
Zumal es aussieht, als wollte er es dem nächsten Heiden so lange aufs Haupt trümmern, bis dieser das Vaterunser rückwärts aufsagen kann.

Sire Godefroy hat gesagt…

Danke erstmal für die netten Kommentare! Das weiß immer zu beglücken.

@tankred: Bin nicht sicher, was Du mit Komplementärkontrasten meinst. :( Aber ich kann Dir versichern, dass extravagante Farbkombinationen gerade im 15./16. Jahrhundert ziemlich en vogue waren.
Priester finde ich in der Tat super - aus genannten Gründen. Hier zeigen die Designer meist, was sie dank langweiliger Kleidung aus dem Gesicht an Charakter rausholen können.

@Frank: Stimmt, harmloser wirkt er damit nicht. Aber ein Geistlicher mit gezücktem Säbel wäre mir unter all den Schwerbewaffneten etwas, hm, deplatziert vorgekommen. ;)
So zertrümmert er vielleicht keine Heidenschädel, aber vielleicht die verstockter Katholiken... :o

Anonym hat gesagt…

Gelb Violett ist ein Komplementärkontrast. Die beiden Farben liegen im Farbkreis direkt gegenüber. Sie sind also die farblichen Gegenteile und schaukeln sich gegenseitig hoch, wenn man sie kombiniert. Grün Rot ist z.B. auch ein solcher Kontrast.

Sire Godefroy hat gesagt…

Dann bin ich beruhigt. Denn genau das sind Kontraste, die das Mittelalter bzw. das Rittertum so liebte. :)

Anonym hat gesagt…

Man muss echt öfer hier reinschauen. Der Ritter ist genial!!

Sire Godefroy hat gesagt…

@Fly: Aber ich bitte darum! Reinschauen sollte sich immer lohnen. :D

Tony hat gesagt…

Very impressive painting on all the jousting miniatures - but I think you have done a very special job on the BLACK robes of this figure - well done.

Tony
http://dampfpanzerwagon.blogspot.com/